Spanien – von Schlamm, einem «Futterdefizit» und erdenschönen Momenten

Salamanca liegt zwischen Madrid und Porto – eine attraktive Stadt voller Geschichte, imposanter Gebäude und cooler Bars. Das wirkt wie ein Magnet auf Touristinnen und Sprachschüler aus aller Welt Hier mache ich ein paar Tage Pause.

In nur einer Stunde habe ich mehr Menschen angetroffen als zuvor in einer Woche auf der Fahrt durch die Provinzen La Rioja und Kastilien-León.

Hinter mir liegen 2500 Kilometer, 28’000 Höhenmeter, viel Schweiss, aber noch viel mehr pure Freude. Ich bin unfall- und beschwerdefrei unterwegs, auch das Knie hält. In Frankreich war es sommerlich warm, in den Pyrenäen herbstlich, aber nachmittags mild. Im Baskenland umkurvte ich die Tiefdruckgebiete oder sass die Regenschauer irgendwo am «Schärme» aus.

Meine Tour von Bern nach Marrakesch löst bislang ein, was ich mir erhofft habe. Okay, die Abende sind zuweilen eintönig, aber in den entlegensten Bergdörfern und Tälern, die ich mir ausgesucht habe, steppt nun mal der Bär nicht, sondern hat sich bereits zur Winterruhe gelegt.

Nächste Woche geht es weiter Richtung Atlantik, und wenn das schöne Wetter hält, rolle ich der Küste entlang südwärts bis in die Algarve. Spanien ist also schon bald Geschichte – fünf Streiflichter und zehn Fotos (die grösser werden, wenn du sie anklickst).


Kein halbwegs verrosteter Schlagbaum, kein Zollhäuschen und kein Schild lassen erahnen, dass hier die Grenze zwischen Frankreich und Spanien liegt. Ich merke es erst, als ich vor einem rustikalen Häuschen stoppe, vor dem Quellwasser aus einem Rohr schiesst. Ein bärtiger Mann lädt Holzscheite aus einem Pick-up, ich nicke ihm zu und labe mich am kalten Wasser. Er spricht mich an – auf Spanisch. Ein Wort ergibt das andere. Die Erkenntnis ist alt, aber weiterhin frustrierend: Auf Spanisch rede ich einfach drauflos, während ich mir auf Französisch ständig überlegen muss, ob das Verb nun den Subjonctif verlangt oder nicht. Ach – kann ich diese Bremse irgendwann einmal noch lösen?



Die Abfahrt auf dem schmalen Strässchen ist rasant und kurvenreich. Die Föhren duften. Ich jauchze vor Freude und rechne damit, in einer Dreiviertelstunde unter der heissen Dusche zu stehen. Doch es sollte anders kommen.

Urplötzlich zeigt das Navigationsgerät an, dass ich eine Rechtskurve von 90 Grad machen muss. Augenblicke später bin ich auf einem Waldweg – und es geht bergauf. Steil. Ich steige ab und kontrolliere die Karte auf zwei weiteren Apps. Es gibt keine Zweifel, hier führt der Weg durch, es sind noch 20 Kilometer und einige Höhenmeter bis ins Ziel. Er besteht aus Schotter, Sand und Schlamm. Die letzten Tage muss es heftig geregnet haben. Ich steige wieder auf, schreie ein «Stuzzi Cadenti!» in den Wald hinein und trete in die Pedale. Das kostet Kraft, und die Oberschenkelmuskeln, die während der langen Abfahrt kalt geworden waren, brennen.

Ich fluche und verwünsche das Velofahren im Allgemeinen und diese Tour im Speziellen.  «Ich hätte ja auch der Mittelmeerküste entlangrollen können, easy peasy», beginnt das Zwiegespräch mit mir selbst. Nach ein paar Minuten stoppe ich auf einer Lichtung und steige ab. So geht das nicht. (Wenn ich hässig bin, vergesse ich immer, Fotos zu machen.)

Der Umweg über die asphaltierte Strecke ist keine Option, das würde die Distanz verdoppeln, also muss ich hier weiter. Die Entscheidung habe ich schnell gefällt. Ich massiere die steifen Muskeln, wärme mich in den Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdach dringen, und rede mit halblauter Stimme zu mir. «Es bleibt noch mindestens drei Stunden hell, du hast genügend Proviant und Wasser. Schluss mit Murren und Fluchen! Diese 20 Kilometer schaffst du auch noch – allez!»

Es funktioniert. Material und gute Beine sind zentral, doch am wichtigsten bleibt der Kopf.

Zweieinhalb Stunden später bin ich in der Herberge und feiere die Bonsai-«Camel Trophy» auf meine Art: Noch unter der heissen Dusche setze ich die Flasche «Mahou zero» an – selten hat alkoholfreies Bier besser geschmeckt als gerade jetzt.


Die ersten Tage in Spanien waren zäh, mir schien, als würden Yellow Jeffs Bremsklötze stetig an den Felgen schleifen. Klar, der Gegenwind war zermürbend, und mehr als einmal übernahm ich mich mit einer Etappe. Doch der wahre Grund für meine Baisse war ein anderer, wie ich inzwischen herausgefunden habe. Wegen eines Planungsfehlers musste ich auf eine Mahlzeit verzichten, der Hunger wurde zu meinem steten Begleiter. Manchmal hat es hier auf einer Distanz von 70 Kilometern keinen Laden, keine Beiz und keine Tankstelle, die auch nur ein müdes Mars anbieten würde.

Ich musste trotzdem weitertreten, und der Notvorrat war alle. Das war hart. Klar, am Bauch hätte es Fettreserven, doch der Körper funktioniert nicht automatisch so, dass er dort abzusaugen beginnt – leider.

Längst habe ich das «Futterdefizit» wieder kompensiert. Weil die frittierten Speisen, die in der spanischen Küche omnipräsent sind, nichts bringen, frage ich in den Restaurants jeweils direkt nach Reis, Pasta, gekochten Kartoffeln, Bohnen und Hühnchen – und vorab erzähle ich der Bedienung, dass ich auf einer langen Velotour sei. Die Kombination wirkt: Ich komme zu meinen Kohlenhydraten und Proteinen, und die Gastro kommt zu Trinkgeld – en efectivo. Die süssen Leckereien lasse ich nicht aus, weil: Zucker macht glücklich.

Das Navi ist mit meinem mobilen Hirnikocher verbunden. Wenn jemand anruft, erscheint der Name oder die Nummer auf dem Display. Das ist praktisch. So weiss ich mit etwas Vorlauf, ob ein Kunde, eine Journalistin oder ein Callcenter anruft, das mir Aktien, Heizkissen oder eine Versicherung andrehen will.

Jeden Tag arbeite ich für meine Firma, entweder am frühen Morgen oder nach der Ankunft am neuen Ort. Manchmal reicht eine Stunde, um Anfragen und E-Mails abzutragen. Manchmal wächst sich das auf einen halben Tag aus. Der Wechsel von der Bikepacker- in die Businesswelt ist unproblematisch – umgekehrt brauche ich ein paar Minuten länger.

Montagmorgen, etwas nach 11 Uhr. Andere sitzen jetzt vor ihren Computern, Yellow Jeff und ich rollen durch eine Schlucht, es geht leicht bergan. Ich bin guter Stimmung und ausgeruht, die Strasse gehört uns allein. Nach einem geschwungenen Bogen nach rechts öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick frei auf die Farben des Herbstes: Die Pappeln sind gelb, der Acker rostrot, und die Strasse führt kilometerlang schnurgerade aus. Ich stoppe und lasse dieses erdenschöne Bild auf mich wirken.

Genau deshalb mache ich Velotouren.

Am Fluss werden Fremde zu Vertrauten

Berauscht von der langen, rasanten Abfahrt durch einen dichten Eichenwald spuckt mich das schmale Strässchen unten im Tal auf einem staubigen Platz aus. Ich schüttle mich wie ein Hund, dessen Pelz nass geworden ist, um die steifen Glieder zu lockern, gähne mehrmals herzhaft und ohne die Hand vor den Mund zu halten, bis es in den Ohren leise ploppt.

Unverhofft bin ich bereits am Ziel angelangt: auf dem Campingplatz Cozon, der sich an den Dorfrand schmiegt. Er ist klein und verwunschen, ich mag ihn auf Anhieb. Der gleichnamige Fluss gluckert talwärts. Saint-Pierre-d’Entremont hat 570 Einwohner und im einzigen Laden eine freundliche Verkäuferin, die mir den Unterschied zwischen Hafer und Haferflocken erklärt. Ich fragte nach «avoine», richtig wäre «flocons d’avoine» gewesen («Ach, tant pis.»)

Auf dem Campingplatz hat es drei Gäste, die alle fast zur selben Zeit eingetroffen sind: Olivier, Vincent und ich. Es ist kein Zufall, dass wir uns bald zusammentun.

Olivier kommt aus Lausanne, studierte Geografie und baut heute Tunnel. Er macht seine erste grössere Tour mit einem Mountainbike und hat heute eine wilde Etappe durch die Berge in den Knochen. Wenn er die Haare offen trägt, würde jeder Hardrocksänger blass vor Neid.

Vincent lebt in St-Étienne, hat eine hohe Stirn und wache Augen. Er ist Profimusiker, der mit einer Band, einem Duo und solo verschiedene Programme und Stile spielt. Er ist zu Fuss unterwegs und hat die letzten beiden Nächte im Wald übernachtet. Vom nächsten Tag an zieht er zusammen mit seiner Schwester weiter durch die Natur.

Ich mache einen Topf Pasta und strecke die Sauce Bolognaise mit Kürbiskernen (Zink!), frischen Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch. Letzterer stärke das Immunsystem und sei gut für die Arterien, sagte mein Grosi jeweils. Knobli fördert aber auch die Verdauung und sorgt, wie sich Stunden später wieder einmal zeigen sollte, für das eine oder andere halblaute Tönli im Schlafsack – olfaktorisch ist das herausfordernd, aber halbwegs narkotisiert höre ich womöglich die Geräusche der Nacht weniger gut.

Einer der Jungs hat drei Dosen Bier organisiert, der andere steuert ein Dessert bei. So sitzen wir in den Abend hinein, erzählen einander von unseren Leben, und es fühlt sich an, als ob wir uns schon lange kennen würden. Die beiden könnten meine Söhne sein, aber solche Konstellationen erlebe ich erstaunlicherweise je länger, desto öfter.

Am nächsten Morgen ist es kalt. Wir bauen unsere Zelte ab und umarmen uns zum Abschied. Dann zieht jeder in seine Richtung: Olivier entschwindet mit seinem Bike im Wald, Vincent wandert dem Fluss entlang, ich habe einen weiteren Pass vor mir.

Es sind solche Begegnungen, die einen guten Tag on the road zu einem wunderbar runden Tag machen.


Foto oben: amis Chartreuse

Schweiss und sanfter Spott in der Steigung

Das Navigationsgerät zeigt elf Prozent Steigung, die Sonne brennt mir auf den Rücken, das T-Shirt klebt schweissnass am Leib. Im Schritttempo kurble ich bergwärts und höre meinem lauten Schnaufen zu. Links: Natur, rechts: Natur, vorne: Natur, oben: Blau. Nichts stört die Stille. Es ist einfach: schön.

Ein Gümmeler schiebt sich scheinbar mühelos auf meine Höhe. Als er mich schon fast überholt hat, schaut er herüber und mustert Velo und Gepäck. In seinem ledernen Rentnergesicht erkenne ich eine Mischung aus Bewunderung und sanftem Spott. Ich kenne diesen Blick.

«Bonne route!», stösst er hervor und zieht mit seinem 9-Kilo-Velöli davon. Ich tippe mit der linken Hand an die Stirn und denke: «Mein Herz schlägt noch viel länger als deines, ätsch!». Auf Velotouren überkommen mich bei Steigungen zuweilen derart bösartige Gedanken, dass ich selbst darüber erschrecke.

Zehn Tage, rund fünfhundert Kilometer und sechstausend Höhenmeter liegen hinter mir auf dieser Tour, die mich von Bern bis nach Marrakesch führen soll. Und ja, «ça roule», es läuft fast immer rund und gut. Keine Wildsau hat mich bislang umgerannt, keine Hornisse gestochen, kein Virus angefallen. An den Beinen habe ich ein paar Schrammen – Zeugnisse von Abfahrten durch wildes Gelände, die meine «Street Credibility» hoffentlich ein wenig erhöhen.

Vor genau zwei Jahren radelte ich von Bern nach Uzès in die Provence, um dort mit dem Chörli eine Woche lang zu proben. Damals war der Regen ein steter Begleiter. Als ob die Wettergötter das jetzt wiedergutmachen wollten, beschenken sie mich bislang mit prächtigen Spätsommertagen.

Beim Fahren lasse ich mir Zeit. Ich will den Flow geniessen und mich gleichzeitig an das neue Set-up am Velo gewöhnen. Das stattliche Gewicht von Gefährt, Gepäck und mir entwickelt bergab ordentlich Schub – und Felgenbremsen ziehen anders als die Hydraulikbremsen mit Öldruck, die ich die letzten zehn Jahre gewohnt war.

Am meisten Zeit verbringe ich allerdings nicht im Sattel, sondern liegend. Ich brauche unendlich viel Schlaf, und wenn das nicht geht, döse ich im Zelt vor mich hin. Zur Belohnung gibt’s jeden Abend ein Kapitel aus Alex Capus’ «Querfeldein» – ein wunderbarer Roman. Es geht eben nichts über gedruckte Bücher.

P.S.
Aktuell campiere ich am Fuss der Alpe d’Huez. Morgen ist sie an der Reihe und ich am Abend fix & foxy.

Neutralität ja – aber mit Verstand und Haltung

Seit Wochen prangt an zahllosen Orten das Plakatsujet mit der weissen Friedenstaube. Wenn sie wüsste, wofür sie missbraucht wird!

Die plakative Verdichtung – ein Ja zur «Neutralitätsinitiative» am 27. September schütze uns vor Krieg – ist dreist und ahistorisch. Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen und andere europäische Länder waren während des Zweiten Weltkriegs neutral, wurden 1940 aber dennoch von der deutschen Wehrmacht überfallen.

Zugespitzt: Was früher die Nazis waren, kann morgen Russland sein. Mit anderen Worten: Im Kriegsfall ist «Neutralität» so viel wert wie ein Fetzen Papier.

Wenn wir im Ausland unterwegs sind, werden wir fast immer auf zwei Themen angesprochen: Roger Federer und die Neutralität. Natürlich, die Schweiz ist neutral, «geschmeidig neutral» würden Kritiker ergänzen.

Eine Scheindebatte über die Neutralität

Entscheidend ist: Die Neutralität der Schweiz basiert auf demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen. Seit 2002 ist sie Mitglied der UNO – ein Volksentscheid –, was das Verständnis der Neutralität angepasst hat. So werden einerseits Verletzungen des Völkerrechts verurteilt, andererseits ist das Verhängen von Sanktionen erlaubt.

Laut Historiker Sacha Zala schürt die «Neutralitätsinitiative» Kriegsängste, zielt aber auf Wirtschaftssanktionen und die militärische Zusammenarbeit. In einem Interview am 20. August bei CH Media sagte er: «Das Neutralitätsrecht kennt kein allgemeines Verbot von Wirtschaftssanktionen. Genau das würde die Initiative ändern: Sie ist eigentlich eine Sanktionsverhinderungsinitiative. Stattdessen führen wir eine Scheindebatte über eine Neutralität, die gar nicht infrage steht.»

Es geht nicht nur um Sanktionen: Auf der Website politopia.ch wird gezeigt, welche Massnahmen nach einem Ja nicht mehr möglich wären.

Europa ist bedroht – seit viereinhalb Jahren durch den Krieg in der Ukraine, aber auch in hybrider Form, beispielsweise mit Desinformation und Cyberattacken. Der beste Schutz für unser Land ist der Austausch und die Kooperation mit anderen europäischen Ländern. Ein Ja zur «Neutralitätsinitiative» würde die Schweiz isolieren und die Geschäfte der Aggressoren schützen.

Dass der Bundesrat zu Beginn des Ukraine-Kriegs herumeierte, ist ein unrühmliches Kapitel. Wie Haltung geht, zeigte die Landesregierung früher: Als die sowjetische Armee 1956 die Freiheitsbewegung in Ungarn niederschlug und viele Zivilisten starben, solidarisierte der Bundesrat sich laut und unmissverständlich mit den Unterdrückten. Dasselbe geschah 1968 während des Prager Frühlings.

Damit es dereinst kein böses Erwachen gibt, sollten wir am 27. September die «Neutralitätsinitiative» an der Urne versenken.

Foto: picture alliance/zoonar

Das Phantom der Ausgewogenheit

Am Mittwoch war Bundesrat Albert Rösti Gast im «Rundschau»-Talk von SRF. Medienpolitisch interessant ist, wie er dort den Ausgang der Halbierungsinitiative interpretierte. Zudem hat er einen Plan, wie er die neue Konzession der SRG «schärfen» will. Aus Sicht des Bundesrats soll dabei unter anderem das Online-Angebot eingeschränkt werden – also just dort, wo sich die bis 55-Jährigen heute mehrheitlich informieren.

Weiter betonte Rösti mehrfach, die «Ausgewogenheit» müsse gewährleistet sein. Er sagte, dieser Begriff sei in der Konzession festgehalten. Das ist nachweislich falsch. Weder in der Konzession noch im Radio- und Fernsehgesetz – und schon gar nicht in der Bundesverfassung – ist von Ausgewogenheit die Rede. Sie ist ein Phantom.

Der Begriff klingt zwar gut – gerade in Schweizer Ohren. Doch Vorsicht: Es droht die sogenannte false balance. Ein Beispiel:

Angenommen, Radio SRF produziert eine Sendung zu Ehren des italienischen Astrophysikers und Universalgelehrten Galileo Galilei. Dieser hat im 17. Jahrhundert mit anderen nachgewiesen, dass sich die Erde und die übrigen Planeten um die Sonne drehen.

Es gibt Menschen, die noch heute das Gegenteil behaupten. Stünde die «Ausgewogenheit» tatsächlich in der SRG-Konzession, müssten sie in diesem Beitrag ebenfalls zu Wort kommen.

Mit Verlaub, aber das kann es nicht sein.

Der Ruf nach Ausgewogenheit und die Kritik, die SRG habe einen «Linksdrall», wurden vom rechtsbürgerlichen Hofer-Club während des Kalten Krieges in ein politisches Narrativ gegossen. Was nicht der eigenen Meinung entspricht, gilt seither als «linkslastig». Dabei wird ausgeblendet, dass es zum journalistischen Auftrag gehört, mit professioneller Distanz kritische Fragen zu stellen. Dieselben Kreise popularisierten den Ausruf «Moskau einfach!».

Im Kontext von Wahlen und Abstimmungen muss Ausgewogenheit hingegen tatsächlich gewährleistet sein – und das ist sie auch. Beispielhaft zeigen das Abstimmungs-«Arenas», in denen die Redezeit beider Lager gestoppt und während der Sendung ausgeglichen wird.

Der Begriff Ausgewogenheit wird in medienpolitischen Debatten immer wieder ins Feld geführt – während des Abstimmungskampfs über die Halbierungsinitiative sogar inflationär. Das hat System, so meine Hypothese: Viele plappern den Begriff unreflektiert nach.

Lamentabel ist, dass etliche Journalistinnen, Politiker und Medienmanager offenbar nicht wissen, was in der Konzession tatsächlich steht. Dort heisst es: «Die SRG sorgt in ihren Informationsangeboten für eine umfassende, vielfältige und sachgerechte Berichterstattung.»

Wohin es führt, wenn Regierungen Medien gängeln, zensurieren oder gar steuern, zeigt die Entwicklung in Ungarn oder Russland. Dort wurde die Demokratie zunehmend geschwächt, ja ausgehebelt. Diese Entwicklung ist gefährlich und verpflichtet uns in der Schweiz, wachsam zu bleiben.

Bei der neuen Konzession geht es um viel mehr geht als nur neue Paragraphen. Der SRG Daumenschrauben anzusetzen, wäre falsch. Es reicht völlig, dass sie – wie vom Bundesrat verordnet – trotz Medienkrise ihr Budget bis 2029 um satte 17 Prozent kürzen muss.

 

 

Fazit:
Es ist sinnvoll, wenn die Allianz Pro Medienvielfalt weiterhin wachsam bleibt – und den Prozess zur neuen SRG-Konzession bis Ende 2028 aufmerksam begleitet. Ob sie das will, entscheidet sich im Verlaufe des Sommers.

Die Links:
– Der Talk in der «Rundschau» von SRF ist hier greifbar.
– Die Konzession der SRG gibt’s hier als PDF.

P.S. 
Wer mit einem Radio- oder Fernsehbeitrag des öffentlichen Rundfunks nicht zufrieden ist, hat die Möglichkeit, bei der SRG-Ombudsstelle eine Beschwerde einzureichen. Kann diese nicht geklärt werden, geht es weiter zur Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI), die sich mit diesem Fall befassen muss. Der Beschwerdeweg ist offen bis zum Bundesgericht.

Foto: Printscreen SRF-«Rundschau» vom 18. März 2026

«Ich lebe für diese Aufgabe»

Vorsicht: Das ist ein Posting in eigener Sache.

Der Grund: Als Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt bekämpfe ich seit mehr als vier Jahren die SRG-Halbierungsinitiative. Das nahm die Redaktion von «Bund»/BZ zum Anlass, mich zu porträtieren.

Das bringt ich dazu, ein Schlaglicht auf vier prägende Kapitel meines Lebens zu werfen. Alle passen letztlich zu einem Titel: «Medien und Demokratie».

🔵 Unmittelbar nach dem Bürgerkrieg in Bosnien baute ich dort eine Radiostation auf. Eine Stiftung aus Österreich finanzierte die Startphase, ich war verantwortlich für Programm und Personal.

Journalistinnen und Journalisten der drei ethnischen Gruppen, die sich zuvor vier Jahre lang bekämpft hatten, formten ein Team. Das klappte – dank einer langen Aussprache in der zweiten Woche.

Der Friedensvertrag von Dayton war zwar unterzeichnet, praktisch alle Medien blieben aber abhängig von den ehemaligen Kriegsparteien.

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Unabhängige Medien fallen nicht vom Himmel.

🔵 Als Ende 2008 die Tamedia-Konzernspitze die Traditionszeitung «Der Bund» mit der «Berner Zeitung» fusionieren wollte, schrie tout Bern auf. «Drrrr Bund» war eine Institution, eine gute Zeitung mit prägenden Köpfen, aber wirtschaftlich in Schieflage geraten. (Ich kriegte sie 1994 erstmals in meinen Händen – in Zürich.)

Ich orchestrierte den Widerstand gegen die Fusion – ein halbes Jahr und rund 1200 Stunden Fronarbeit später, die meine damals dreiköpfige Firma geleistet hatte, war sie vom Tisch. (Die Website «Rettet den Bund» ist noch heute im Netz.)

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Hör auf dein Bauchgefühl – und tue, was du für richtig hältst.

🔵 Als 2017 ein paar junge Libertäre ihre Bieridee namens «No Billag» vors Volk brachten, wurde ich mandatiert, dagegenzuhalten. Der Abstimmungskampf war für uns im Komitee «Nein zum Sendeschluss» episch lang, sorgte aber zuweilen für einen Kick.

Am 6. März 2018 war das Verdikt klar: 71.6 Prozent der Stimmberechtigten sagten Nein, die jüngste Altersgruppe – diejenige, die angeblich nie SRG konsumiert –, erreichte sogar 75 Prozent.

An jenem Abend liess ich mir ein Schaumbad ein, war mir aber schon damals bewusst: Der nächste Angriff kommt bestimmt.

Und er kam.

🔵 Am 8. März 2026 kommt die Halbierungsinitiative zur Abstimmung. Faktisch handelt es sich um die perfide Schwester von «No Billag», aber das haben viele Menschen bis heute nicht durchschaut.

Seit mehr als vier Jahren treibt mich diese Halbierungsinitiative um – und zuweilen raubt sie mir den Schlaf.

➡️ Was ich aus «No Billag» und dem Kampf gegen die SRG-Halbierungsinitiative mitnehme: Wenn es drauf ankommt, steht die Zivilgesellschaft auf. Es ist beeindruckend, was sie in den letzten Monaten getan hat.

Das Porträt gibt es hier als PDF zum Herunterladen:
Der Frontmann gegen die Halbierungsinitiative («Bund», 23. Februar 2026, PDF)

🔗 Die Links zu diesem Artikel auf den beiden Online-Portalen:
– Beim «Bund»
– Bei der «Berner Zeitung»

Mein Dank geht an Brigitte Walser für den kritischen, aber fairen Artikel und an Franziska Rothenbühler für die Fotos.

Mumpitz von Matter


Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter ist der geistige Vater der SRG-Halbierungsinitiative. Im Interview mit Tamedia platziert er eine ganze Reihe faktenwidrige Aussagen.

Das bedarf einer Richtigstellung:

❌ Matter sagt: «Junge konsumieren praktisch keine SRG-Formate.»
✅ Richtig ist: 53 Prozent der Jungen zwischen 15 und 34 konsumieren SRG-Inhalte. Pro-Tipp: Sie tun es vor allem auf Instagram und Youtube.
(Quelle: Studie IGEM-Digimonitor 2023)

❌ Matter sagt: «Der Initiativtext verbietet der SRG nicht generell Onlineaktivitäten.»
✅ Richtig ist: Der Initiativtext hält fest, dass die Abgabe der «Finanzierung von Radio- und Fernsehprogrammen» dient. Das bedeutet: Bei einem Ja dürfte die SRG keinen Online-Journalismus mehr betreiben.
(Quelle: Website srg-initiative.ch)

Der Bundesrat hat auf dem Verordnungsweg beschlossen, dass das SRG-Budget bis 2029 massiv sinkt. Die SRG-Spitze rechnet mit 270 Millionen Franken weniger.
❌ Matter sagt, dass aufgrund der Zuwanderung und dem Zuwachs von 40’000 Haushalten pro Jahr die SRG «nicht viel sparen» müsse.
✅ Richtig ist: Der Gebührenanteil der SRG ist per 2029 auf eine Summe fixiert, egal wie sich die Zahl der Haushalte entwickelt.
(Quelle: Botschaft des Bundesrats zur SRG-Halbierungsinitiative)

❌ Matter sagt: «Ich höre von der SRG Drohungen, dass Regionalbüros geschlossen würden.»
✅ Richtig ist: Diese Aussage machte auch Medienminister Albert Rösti, Matters Parteikollege. Er sagte, dass bei einem Ja zur Halbierungsinitiative «wohl nur noch ein Produktionsstandort übrigbleibt: Zürich.»
(Quelle: Medienkonferenz Bundesrat Rösti, 21. Januar 2026, auf dem Youtube-Kanal des Bundesrats abrufbar)

❌ Matter sagt: «Die SRG-Direktorin verdient mehr als ein Bundesrat.»
✅ Richtig ist: Isoliert betrachtet beträgt die Lohndifferenz zwischen Susanne Wille und den Bundesratsmitgliedern 2 Prozent. Aber Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten nach ihrem Rücktritt ein Ruhegehalt von rund 50 Prozent des früheren Lohnes. Bei Wille ist das nicht der Fall. Der Vergleich hinkt.

Zum Vergleich: Die CEO von SBB und Post verdienten 2024 rund 50 Prozent mehr als die Person an der Spitze der SRG, die CEO der Stromkonzerne Axpo und BKW sogar dreimal so viel wie sie (inkl. Boni). Die Stromkonzerne gehören übrigens den Kantonen, also uns.
(Quellen: Website admin.ch, Geschäftsberichte der erwähnten Unternehmen)

Fazit: Matter liefert viel Mumpitz, pardon l’expression. Das strapazierte Wort «Fake News» wollte ich nicht schon wieder bemühen. Das Interview wird keinen Medienpreis ergattern.

Disclaimer:
Ich bin seit 2008 Dozent an einer Journalistenschule und seit 2022 Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt, die sich gegen die SRG-Halbierungsinitiative stellt. Zu Ihr gehören inzwischen 6500 Einzelpersonen und 35 Organisationen.

📸 Yoshiko Kusano

Was die SRG-Halbierungsinitiative ausblendet – ein offener Brief an den jf-Präsidenten

OFFENER BRIEF AN DEN PRÄSIDENTEN DER JUNGFREISINNIGEN

Lieber Jonas Lüthy

Sie sind einer der Wortführer des Initiativkomitees, welches die Halbierung des SRG-Budgets verlangt. So konnten Sie unlängst einen Gastartikel bei CH Media platzieren. Vom Toggenburg bis nach Liestal war ihr Text in 18 Regionalzeitungen und 18 Online-Portalen zu lesen. So viel zur vielfältigen und intakten Medienlandschaft.

🖍️ Obwohl Sie die Allianz Pro Medienvielfalt erwähnen, verzichtet die Zentralredaktion auf unsere Replik. Ich nehme das sportlich und bringe stattdessen diesen offenen Brief.

Ihre Kampfbegriffe lassen mich kalt. Bemerkenswert finde ich, was Sie alles ausblenden:

🔵 Seit 2015 sind die Gebühren für Privathaushalte um 25 Prozent gesunken. Zurzeit kostet das 28 Franken pro Monat – also weniger als ein Kinobesuch zu zweit. Was hingegen stetig steigt, sind Krankenkassenprämien und Mieten. Vielleicht ist es mir entgangen, aber: Wann haben die Jungfreisinnigen sich in den Bereichen, die uns tatsächlich belasten, für eine Dämpfung eingesetzt?

🔵 Das Gegenprojekt des Bundesrats zwingt die SRG, ihr Budget in den nächsten drei Jahren um 17 Prozent zu reduzieren. Das geht ans Eingemachte. Auch in der Privatwirtschaft wäre dies enorm herausfordernd. Dass die Menschen in unserem Land auf eine Ausdünnung des Rundfunk-Angebots ungehalten reagieren, haben Sie als Basler sicher bemerkt.

🔵 Die Debatte um die Halbierungsinitiative dreht sich hauptsächlich um das Fernsehen. Dabei erreicht beispielsweise Radio SRF ein grosses Publikum – und mit vielen Sendungen Tiefe und Originalität. Ich lege Ihnen «International», die Talkshow «Persönlich», «Input» und «SRF3 Best Talent» ans Herz. Das ist Service public, der nicht von Algorithmen und Werbekunden gesteuert wird.

🔵 Ihre Initiative verlangt einen Fokus auf «Radio- und Fernsehprogramme». Das bedeutet: Bei einem Ja wäre der SRG Online-Journalismus untersagt. Tatsache ist, dass Menschen bis 55 Medien hauptsächlich digital konsumieren. Diese Entwicklung geht rasant weiter.

🔵 Was sich daraus ableitet: Ein Rundfunk ohne überzeugendes Angebot im Netz hat in ein paar Jahren kein Publikum mehr. Ich gehe davon aus, dass Ihnen bewusst ist, was Ihre Volksinitiative fordert.

🔵 Dass die privaten Medien in der tiefsten Krise ihrer Geschichte stecken, erwähnen Sie mit keinem Satz. Dabei fliessen mehr als zwei Milliarden Franken an Werbegeldern jedes Jahr zu ausländischen Tech-Plattformen ab. Die Konsequenzen: Beispielsweise hat Radio 1 von Roger Schawinski seine Redaktion aufgelöst, mehrere UKW-Sender stellte er stillschweigend ab.

❗️Das sind Fakten, Herr Lüthy! Und trotzdem wollen Sie die SRG bis auf ihren Rumpf stutzen. Sie behaupten sogar, mit der Hälfte lasse sich «in allen vier Sprachregionen ohne Weiteres ein hochwertiges Programm» realisieren. Wer sich einmal auch nur oberflächlich mit Medienökonomie und dem Verfassungsauftrag der SRG auseinandergesetzt hat, kommt zu einem anderen Schluss.

Ihre Aussage ist fahrlässig.

🎙️ Ich hoffe, wir haben bald Gelegenheit zu einem Streitgespräch – auf einem Podium oder in einer Redaktion. Challenge accepted. Mit vielen Ihrer Mitstreiter wäre das dröge, weil sie papageienartig stets dieselben Sätze wiederholen.

Freundlich grüsst
Mark Balsiger,
Geschäftsführer Allianz Pro Medienvielfalt

Fotos: Website Jonas Lüthy/zvg

Die Gratisfalle

Die Medienmanager der TX Group haben noch nie lange gefackelt – deshalb überrascht das Aus der gedruckten Ausgabe von «20 Minuten» nicht. Dass 80 Vollzeitstellen in Redaktion und Verlag abgebaut werden, ist eine traurige Nachricht. Dass die Aussenredaktionen in Basel, Genf, Luzern und St. Gallen geschlossen werden, lässt die regionalen Wurzeln verkümmern.

In diesem Beitrag will ich die Auswirkungen, welche die Pendlerzeitungen auf den Medienkonsum haben, nachzeichnen.

Die Gratiskultur hielt in der Schweiz 1999 Einzug: In Verteilboxen an Bahnhöfen und Bushaltestellen lagen Zeitungen im Tabloidformat bereit – kostenlos. Ihre Namen: «Metropol» (2000–2002, Metro International, ein Verlag aus Schweden), «20 Minuten» (seit 1999, zunächst Schibsted aus Norwegen, danach Tamedia, die heutige TX Group), «Le Matin bleu» (2005–2009, Edipresse), «heute» (2006–2008, Ringier), «Blick am Abend» (2008–2018, Ringier), «.ch» (2007–2009, Sacha Wigdorovits) und «News» (2007–2009, Tamedia).

Während Jahren war ein veritabler Zeitungskrieg im Gang – entfacht durch Verlagshäuser, die sich im Gratismarkt etablieren und andere mit aggressiven Methoden verdrängen wollten. Dabei ging es nicht um journalistische Vielfalt, sondern Marktanteile und Margen. Statt in die Redaktionen ihrer Bezahlzeitungen zu investieren, verbrannten die Verlage x Millionen in einem aussichtslosen Kampf. Auf die Dauer hatte nur «20 Minuten» Erfolg.

Die Werbewirtschaft drängte mit ihren Inseraten in diesen Titel, der zeitweise eine Auflage von gegen einer Million Exemplare und über zwei Millionen Leserinnen und Leser hatte. Der kommerzielle Erfolg war gigantisch: In den besten Jahren erwirtschaftete das Pendlerblatt jährlich 40 Millionen Franken Gewinn – eine Cashcow, wie es sie im Medienbereich weltweit kaum je gab. Medienmanager und Aktionäre rieben sich die Hände.

Dumm nur, dass die Pendlerzeitungen die Bezahlzeitungen aus denselben Verlagshäusern kannibalisierten. Mitverantwortlich für diese Fehlentwicklung waren auch die Online-Portale, die ihre Inhalte jahrelang kostenlos zur Verfügung stellten.

Mit der Gratiskultur tappten die Verlagshäuser in eine Falle, aus der sie nicht mehr herauskommen. Journalistisch aufbereitete Information darf nicht gratis sein, weil sie auf Handwerk und hohen Produktionskosten basiert. Die Bäckerin verschenkt ihre Gipfeli auch nicht, nur weil sie darauf spekuliert, dass die Kundschaft deshalb vielleicht ein Sandwich kauft.

Nachdem die Medienmanager ihren Denkfehler erkannt hatten, versuchten sie ab 2012, die Gratiskultur mit neuen Geschäftsmodellen rückgängig zu machen. Ein Blick in die Zahlen zeigt ein ernüchterndes Bild: Die Zahl der Digitalabos stagniert bei den meisten Titeln. Die Generation der heute etwa 40-Jährigen wurde viel zu lange daran gewöhnt, dass Inhalte – ob gedruckt oder online – nichts kosten. Laut dem neuen «Digital News Report» sind aktuell 22 Prozent der Befragten bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen.

Foto: «20 Minuten»/Simon Glauser 

Dieses Sparprogramm ist erst ein Vorgeschmack

Gut gemachter Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalismus erreicht die Massen nicht, ist aber wichtig. Mit dem nächsten Sparprogramm, das Schweizer Radio und Fernsehen SRF gestern bekannt machte, wird das Angebot in diesen beiden Bereichen ausgedünnt. So fällt etwa die profilierte Wirtschaftssendung «Trend» (Radio SRF 1) genauso weg wie das «Wissenschaftsmagazin» (Radio SRF 2).

Das ist bitter. Der Aufschrei ist gross, wie jedes Mal, wenn das öffentliche Medienhaus ankündigt, sein Angebot reduzieren zu müssen.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch: Der Druck der Halbierungsinitiative wirkt. Die Politik gibt ihn weiter an die SRG. Seit drei Jahren dreht sich die Diskussion vor allem über Preisschilder – 335 Franken? 300 Franken? 200 Franken? Tatsache ist, dass die Haushaltgebühren in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent gesunken sind.

Es braucht endlich eine Debatte über den medialen Service public und was er in Zeiten von Desinformation und Fake-News leisten sollte.

Die privaten Medien in der Schweiz stecken in der tiefsten Krise ihres Daseins. Inzwischen fliessen jedes Jahr 2 Milliarden Franken an Werbegeld zu Tech-Plattformen wie Google, Facebook und Instagram. Diese 2 Milliarden fehlen, mit teureren Abos ist der Ausfall nichtannährend zu kompensieren.

Doch zurück zu den Sparprogrammen bei SRF. Sie geben uns einen kleinen Vorgeschmack, was passieren wird, wenn die Halbierungsinitiative durchkommt. Das Rumpfprogramm in vier Landessprachen würde nicht mehr viele Menschen in der Schweiz erreichen. Was ein paar Jahre später folgen würde, ist klar: der Sendeschluss.

Aus diesem Grund sind wir schon seit drei Jahren daran, mit der Allianz Pro Medienvielfalt ein Bollwerk gegen die Halbierungsinitiative aufzubauen. 3700 Einzelpersonen und 18 Organisationen sind bereits an Bord – vom Schweizer Fussballverband über Travail.Suisse und die IG Volkskultur bis zu mehreren Filmverbänden.

Auf der Website der Allianz Pro Medienvielfalt kann man sich eintragen und so Teil der Community werden.

Foto: 20Minuten/Matthias Spicher